Ein Jahr voller Begegnungen und neuer Bewegungen
Nach den vielen Unterbrechungen der vergangenen Jahre konnten wir 2023 wieder mit größerer Zuversicht planen. Unsere Tanz- und Theaterkompanie WINDSPIEL fand zunehmend zu vertrauten Formen ihrer gemeinsamen Arbeit zurück. Wir probten, entwickelten neue Bewegungsbilder, bereiteten Auftritte vor und erlebten, wie bereichernd es war, wieder häufiger vor Publikum zu stehen.
Doch nicht nur die Aufführungen prägten dieses Jahr. Ebenso wichtig waren die Begegnungen dazwischen, das Wiedersehen mit vertrauten Menschen und die Freude, neue Mitglieder in unserer Gemeinschaft willkommen zu heißen.
Winterbilder im Kulturstall
Schon im Januar begannen wir unsere gemeinsame Arbeit im Kulturstall auf dem Christopherus-Hof in Witten.
Bei einer Probe am 15. Januar entstand eine winterliche Bewegungslandschaft. In unseren Improvisationen stapften wir durch imaginären Schnee, erkundeten die Kälte und ließen mit unseren Körpern Bilder entstehen, die sich immer wieder veränderten.
Solche gemeinsamen Erkundungen gehörten seit jeher zu unserer künstlerischen Arbeit. Nicht die perfekte Ausführung einer vorgegebenen Bewegung stand im Mittelpunkt, sondern die Entdeckung dessen, was jeder Einzelne mit seiner eigenen Ausdruckskraft beitragen konnte.
Vertraute Gesichter und neue Impulse
Im Frühjahr gewann unsere gemeinsame Arbeit weiter an Lebendigkeit.
Wir freuten uns über neue Mitglieder und über Menschen, die nach längerer Abwesenheit wieder zu uns zurückkehrten. So begrüßten wir im März Mia in unserer Gemeinschaft und konnten auch Julia wieder bei unseren Proben erleben, nachdem sie eine Zeit lang in Frankreich gewesen war.
Mit den Tanzsäcken griffen wir ein vertrautes Gestaltungsmittel auf, das uns neue Möglichkeiten eröffnete, Körperformen, Bewegungen und Beziehungen zueinander zu erforschen.
Gleichzeitig begannen wir, uns intensiver auf die Zusammenarbeit mit der inklusiven Jazzband Walking on the Moon unter der Leitung von Milli Häuser vorzubereiten.
Rock für Inklusion in Bochum
Am 6. Mai waren wir beim Festival „Rock für Inklusion“ im Bochumer Bermudadreieck zu Gast.
Bereits im Vorjahr hatten wir uns auf eine Teilnahme vorbereitet, mussten unseren Auftritt damals jedoch krankheitsbedingt absagen. Umso schöner war es, nun tatsächlich wieder gemeinsam auf einer Bühne zu stehen.
Musik, Tanz und die unmittelbare Begegnung mit dem Publikum machten diesen Tag zu einem besonderen Erlebnis.
Wir genossen die Freude am gemeinsamen Auftreten und ließen den Tag mit weiteren tänzerischen Begegnungen ausklingen.
Begegnungen mit der Performancekunst
Im Sommer besuchten Mitglieder von WINDSPIEL die Ausstellung „54 Hours Performances“ im Museum Folkwang in Essen.
Studierende der Folkwang Universität der Künste präsentierten dort die Ergebnisse ihrer künstlerischen Arbeit mit Marina Abramović, die im Studienjahr 2022/23 die Pina-Bausch-Gastprofessur innehatte. Gemeinsam mit Billy Zhao kuratierte sie die Ausstellung.
Die Langzeitperformances luden dazu ein, Kunst nicht nur zu betrachten, sondern sich selbst auf ungewöhnliche Begegnungen und Erfahrungen einzulassen. Auch die unmittelbare Beteiligung der Besucher war Teil verschiedener Arbeiten.
Für unsere Gemeinschaft war dies eine Gelegenheit, andere Formen körperlichen und künstlerischen Ausdrucks kennenzulernen und neue Eindrücke zu sammeln.
Ein Sommerfest bei Kraut und Rüben
Im Sommer waren wir eingeladen, am Gartenjubiläumsfest des Vereins Kraut und Rüben teilzunehmen.
Inmitten der sommerlichen Gartenatmosphäre präsentierten wir einige Szenen aus unserer aktuellen künstlerischen Arbeit. Auch der Chor, mit dem wir bereits bei einer gemeinsamen Aufführung im Theater im Depot zusammengearbeitet hatten, gestaltete das Fest mit.
So begegneten sich Musik, Tanz und Theater an einem Ort, der sich für diesen Tag in einen lebendigen Raum für Kunst und Gemeinschaft verwandelte.
Für WINDSPIEL war es eine schöne Gelegenheit, unsere Arbeit außerhalb der gewohnten Bühnenräume zu zeigen und vertraute künstlerische Verbindungen wieder aufleben zu lassen.

Eine Hochzeit in unserer Gemeinschaft
Im Oktober gab es einen ganz anderen Anlass, miteinander zu feiern.
Larissa und Joshua heirateten, und viele Mitglieder von WINDSPIEL nahmen an diesem besonderen Ereignis Anteil.
Es wurde ein fröhliches Fest mit vielen Begegnungen und gemeinsamem Tanz. Für einen Tag stand nicht unsere künstlerische Arbeit im Mittelpunkt, sondern die Freude über zwei Menschen und ihren gemeinsamen Lebensweg.
Dabei wurde einmal mehr spürbar, dass unsere Gemeinschaft weit über die regelmäßigen Proben und öffentlichen Aufführungen hinausreichte.
MONDWINDE: Jazz, Tanz und Theater
Ein besonderer Schwerpunkt des Jahres war unsere Zusammenarbeit mit der inklusiven Jazzband Walking on the Moon von Milli Häuser.
Unter dem gemeinsamen Namen MONDWINDE bildeten die Musiker und unsere Tanz- und Theaterkompanie WINDSPIEL ein Künstlerkollektiv, in dem unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen miteinander in Beziehung traten.
Die gleichnamige Produktion verband live gespielten Jazz mit Tanz und Theater. Musik und Bewegung begegneten einander unmittelbar, reagierten aufeinander und eröffneten Räume für Improvisation und gemeinsames Gestalten.
Am 10. November brachten wir MONDWINDE in Essen auf die Bühne. Die frühere Rü-Bühne hatte inzwischen den Namen Szene 10 erhalten.
Für uns war dieser Auftritt ein besonderes Erlebnis. Die Freude am gemeinsamen Spiel, die Präsenz des Publikums und die Energie einer Aufführung ließen uns erneut erfahren, welche eigene Qualität das Bühnengeschehen besitzt.
Zugleich gab uns die Zusammenarbeit Anlass, über unsere künstlerischen Wege und Ausdrucksformen nachzudenken.
Nach der Aufführung gingen wir gemeinsam mit den Musikern und dem Team der Bühne essen. Alle Mitwirkenden waren eingeladen, und wir ließen den Abend in geselliger Runde ausklingen.
So fand dieser intensive gemeinsame Auftritt einen schönen Abschluss, der uns in guter Erinnerung geblieben ist.
Ein Film hält Erinnerungen lebendig
Die Aufführung von MONDWINDE wurde auch filmisch festgehalten.
In den folgenden Wochen entstand ein Zusammenschnitt, den wir Ende November gemeinsam anschauten.
So konnten wir noch einmal auf das Bühnengeschehen zurückblicken, einzelne Momente wiederentdecken und unsere Erfahrungen miteinander teilen.
Der Film bewahrte etwas von der besonderen Atmosphäre dieses Auftritts und eröffnete zugleich einen neuen Blick auf unsere gemeinsame Arbeit.
Gemeinsam durch die Adventszeit
Zum Jahresausklang stand erneut unsere traditionelle Adventsspirale im Mittelpunkt.
Wir bereiteten ein gemeinsames Treffen im Union Gewerbehof in Dortmund vor, bei dem Musik, Begegnungen und das Beisammensein ihren Platz finden sollten.
Nach einem bewegten Jahr bot die Adventszeit Gelegenheit, auf die gemeinsamen Erlebnisse zurückzublicken und die Verbundenheit unserer Gemeinschaft zu würdigen.
Was bleibt
2023 war für uns ein Jahr, in dem vieles wieder möglich wurde.
Wir standen erneut vor Publikum, begegneten neuen Menschen und erlebten die schöpferische Kraft der Zusammenarbeit über künstlerische Grenzen hinweg.
Doch ebenso lebendig blieben die kleinen Momente: eine improvisierte Winterlandschaft, das Wiedersehen bei einer Probe, eine Hochzeit, ein gemeinsames Essen nach einer Aufführung.
Sie alle gehörten zu jener Bewegung, die WINDSPIEL seit vielen Jahren trägt.
Denn nicht jede Begegnung braucht eine Bühne. Aber jede Bühne lebt von den Begegnungen, die sie möglich machen.