ZEITENWANDEL – Ein Jahr voller Bewegung
2021 war ein Jahr des Wandels. Noch immer bestimmte die Corona-Pandemie unseren Alltag und stellte auch unsere künstlerische Arbeit vor besondere Herausforderungen. Doch während persönliche Begegnungen nur eingeschränkt möglich waren, blieben wir miteinander in Bewegung.
Unsere Kompanie WINDSPIEL fand neue Wege, gemeinsam zu tanzen, Geschichten zu entwickeln und die Verbindung zueinander lebendig zu halten. Aus digitalen Proben, Begegnungen in der Natur und vielen kleinen künstlerischen Entdeckungen entstand schließlich unser neues Stück „Zeitenwandel“, das wir am 31. Oktober beim Festival Inclusiv auf die Bühne bringen durften.
Löwen, Kamele und Schmetterlinge
Zu Beginn des Jahres trafen wir uns überwiegend in virtuellen Probenräumen. Dabei entwickelten sich die Löwen und Kamele immer deutlicher zu den Sinnbildern unserer künstlerischen Arbeit.
Die Löwen verkörperten Mut, Kraft und Entschlossenheit. Die Kamele erinnerten uns an Gelassenheit, Ausdauer und die Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen den eigenen Weg fortzusetzen.
In kleinen Arbeitsgruppen entstanden Bewegungsfolgen und choreografische Bilder. Besonders schön war das Zusammenspiel unterschiedlicher Ausdrucksformen. So begegnete Martins Gebärdenlöwentanz den von Theresa und Lea entwickelten Simba-Choreografien.
Auch die Schmetterlinge hielten Einzug in unsere künstlerische Welt. In einer gemeinsamen Gruppenchoreografie entwickelten wir Bewegungsbilder der Verwandlung, die schließlich ihren Weg auf die Bühne fanden. Dafür erhielt jeder Teilnehmer eigens angefertigte Schmetterlingsflügel, die wie ein Kleidungsstück angezogen werden konnten.
So entstanden drei Tierwelten, die unser Stück „Zeitenwandel“ wesentlich prägten: die kraftvollen Löwen, die gelassenen Kamele und die Schmetterlinge als Sinnbild der Verwandlung.
Die digitalen Proben waren dabei weit mehr als ein Ersatz für persönliche Treffen. Sie wurden zu einem eigenständigen Raum des Experimentierens, in dem wir neue Formen der Zusammenarbeit entdeckten.
Endlich wieder gemeinsam im Wald
Im Juni konnten wir nach langer Zeit wieder erste gemeinsame Proben in der Natur durchführen.
Am 13. Juni traf sich unsere Löwengruppe im vertrauten Wäldchen am Christopherus-Hof in Witten. Die Freude über das Wiedersehen war groß. Endlich konnten wir einander wieder unmittelbar begegnen, miteinander tanzen und unsere Bewegungen im gemeinsamen Raum erleben.
Wenig später, am 27. Juni, kamen Löwen und Kamele zu einem weiteren Treffen zusammen. Zwei Teilnehmer waren sogar aus Berlin und Frankreich per Video zugeschaltet.
So verbanden sich unsere inzwischen vertrauten digitalen Möglichkeiten mit der wiedergewonnenen Freude an körperlicher Begegnung.
Eine Safari voller Eindrücke
Am 3. Juli unternahmen wir einen gemeinsamen Ausflug in den Safaripark Stukenbrock, den unser Verein finanziell unterstützte.
Nach den langen Einschränkungen während der Corona-Zeit bot er endlich wieder Gelegenheit, einander zu begegnen und etwas gemeinsam zu erleben. Zugleich war die Reise eine Inspirationsquelle für unser entstehendes Stück „Zeitenwandel“, in dem Löwen, Kamele und Schmetterlinge eine zentrale Rolle spielten.
Unser damaliger Mitarbeiter Christoph begleitete den Ausflug fotografisch. Seine Aufnahmen bewahren Eindrücke eines Tages, an dem das gemeinsame Erleben und die künstlerische Inspiration auf besondere Weise zusammenfanden.
Aus Bewegungsbildern wird ein Bühnenstück
Im Laufe des Sommers gewannen die einzelnen Szenen unseres neuen Stücks zunehmend Gestalt.
Die künstlerischen Ideen wurden weiterentwickelt, Bewegungsfolgen miteinander verbunden und die Vorbereitungen für eine Aufführung intensiviert.
Eine besondere Verbindung zwischen Tanz, Natur und Film entstand in der Zusammenarbeit mit Andrea Lütscher.
Für eine Filmsequenz lag Julia in einem netzartigen Kokon, der an einem Baum befestigt war und sanft hin und her schwang. Andrea hielt diese Szene mit der Kamera fest. Die Aufnahmen wurden später Bestandteil einer Tanzvideoszene innerhalb unserer Aufführung „Zeitenwandel“. Während die Tänzer auf der Bühne agierten, war die filmische Sequenz auf einer Leinwand zu sehen.
Damit fand das Motiv der Verwandlung nicht nur in der Gruppenchoreografie mit den Schmetterlingsflügeln seinen Ausdruck, sondern auch in einer eigenständigen filmischen Bildsprache.
Mit der Kostümbildnerin Julia Strauß arbeiteten wir an der Gestaltung unserer Bühnenfiguren. Neben den Löwen- und Kamelkostümen entstanden auch die Schmetterlingsflügel für unsere Gruppenchoreografie.
Im September probten wir unter anderem in einem Park in Gelsenkirchen. Die unterschiedlichen Orte und ihre besonderen Atmosphären wurden dabei selbst zu Inspirationsquellen unserer künstlerischen Arbeit.
In den folgenden Wochen konzentrierten wir uns zunehmend auf die gemeinsame Entwicklung des Bühnenstücks. Anfang Oktober fanden intensive Proben im Union Gewerbehof in Dortmund statt.
ZEITENWANDEL beim Festival Inclusiv
Am 31. Oktober war es endlich so weit: Beim ausverkauften Festival Inclusiv auf der Rü-Bühne in Essen brachten wir unser neues Stück „Zeitenwandel“ zur Aufführung.
Die Krafttiere Löwe und Kamel standen im Mittelpunkt unserer Auseinandersetzung mit einer bewegten Zeit. Sie erinnerten uns daran, dass Mut und Gelassenheit keine Gegensätze sein müssen, sondern einander ergänzen können.
Mit den Schmetterlingen kam das Motiv der Verwandlung hinzu. Ihre Flügel und die gemeinsame Choreografie ließen sichtbar werden, wie aus Veränderung neue Möglichkeiten entstehen können.
Die Welt der Tiere wurde zum Spiegel unserer eigenen Erfahrungen. Ihre selbstverständliche Natürlichkeit lud uns dazu ein, nach den eigenen Kräften, Möglichkeiten und Ausdrucksformen zu suchen.
Mit der Aufführung fand ein langer gemeinsamer Entwicklungsprozess seinen vorläufigen Höhepunkt. Aus vielen einzelnen Begegnungen, digitalen Experimenten, Proben und künstlerischen Entdeckungen war ein gemeinsames Bühnenereignis geworden.
Die Freude darüber begleitete uns noch weit über den Aufführungstag hinaus.
Moving Moments: Musik, Tanz und Film
Schon wenige Tage später wartete ein weiteres künstlerisches Abenteuer auf uns.
Vom 5. bis 7. November fand im Thealozzi Theater in Bochum eine inklusive Workshopreihe in Zusammenarbeit mit Milli Häuser und ihrer Band statt.
In getrennten und gemeinsamen Arbeitsphasen begegneten sich die Tänzer von WINDSPIEL und die Musiker. Tanz, Musik und Improvisation eröffneten neue Möglichkeiten des Zusammenspiels.
Die Arbeit mündete in eine gemeinsame Präsentation, die im Format einer Fernsehshow filmisch aufgezeichnet wurde.
Die daraus entstandene Produktion trägt den Titel „Moving Moments“. Einen besonderen Einblick in diese Zusammenarbeit bietet der auf YouTube veröffentlichte Film „Moving Moments Final“. Die Mitwirkung von WINDSPIEL ist darin in einer knapp fünfminütigen Sequenz zu sehen.
Moving Moments Final – WINDSPIEL ab Minute 30:08
Ein Jahr, das uns in Bewegung hielt
Nicht alle unsere Vorhaben ließen sich verwirklichen. Manche Veranstaltungen mussten abgesagt werden, vertraute Begegnungen konnten nicht wie geplant stattfinden, und immer wieder mussten wir unsere Arbeit an veränderte Bedingungen anpassen.
Dennoch war 2021 für uns ein reiches Jahr.
Wir haben neue Ausdrucksformen entdeckt, unsere künstlerische Zusammenarbeit weiterentwickelt und die Freude an gemeinsamen Begegnungen bewahrt.
Zum Jahresende konnten wir mit Dankbarkeit auf die vielen Erfahrungen zurückblicken.
Die TanzRäume waren ihrem Namen wieder gerecht geworden und an vielen Orten unterwegs.
Und vielleicht war genau das die wichtigste Erfahrung dieses Jahres: Dass Bewegung nicht erst dort beginnt, wo alle Hindernisse verschwunden sind. Manchmal findet sie gerade dann neue Wege, wenn die vertrauten nicht mehr offenstehen.
